Donnerstag, 1. Juli 2010

Smart, Smarter, Smart!

Nach vielen Jahren hab ich wieder einen in die Finger bekommen: Smart Cabrio. Kurz zur Geschichte des Autos, dass jeder kennt. Entwickelt um 2 Menschen und eine Kiste Bier zu befördern! Es wurde also auf das wesentliche geachtet! Kurz zu den Daten: 71 PS bei 750 Kilo. Kurz vor deinen Haxen fangt die Kiste an, knapp hinter dem Allerwertesten ist sie wieder zu Ende. Drinnen findet man überraschend ausreichend Platz (also in einem A3 hat der Fahrer weniger Raum), vorallem weil die lästige Mittelkonsole entfällt und alle Bedienelemente sind genau an dem Platz an dem man sie erwarten würde. Lästige Firlefanzschalter stören nirgends die Bedienbarkeit aus einem einfachen Grund: Sie existieren nicht. Spiegelverstellung im Übrigen manuell: Warum? Weil in dem kleinen Auto auch vom Fahrersitz aus der Beifahrerspiegel zu erreichen ist. Kurzer Blick nach oben durch das bereits von außen per Fernbedienung geöffnete Dach. Fühlt sich alles sehr charmant an.

Die halbautomatische Schaltung arbeitet sauber, relativ flott und vom ersten Anfahren weg verständlich. Womit wir auch schon bei der Garagenausfahrt wären. Erster Beschleunigungstest: Vollgas auf die Gerade, Pedal am Boden lassen, Ganghebel nach vorne tippen*, Mundwinkel nach oben bis zu den Ohrwaschln. DAS GEHHHHT JA! Durch das niedrige Gewicht und die kurze Übersetzung sind die 71 PS bis ca. 100/120 völlig ausreichend. Im Stadtbetrieb hab ich überhaupt schon lang kein Auto mehr gehabt, dass soviel Spaß verbreitet. Die Lenkung ist direkt, der ganze Haufen extrem wendig, die Bremsen ausreichend (könnten aber ein bisserl leichtgängiger sein) und das Fahrwerk arbeitet ebenfalls auf überraschend hohem Niveau. Auf der Autobahn hätt ich mir Trägheit am Gas und extreme Unruhe bei der Spurtreue erwartet. NIX. Geht recht flott bis 150 (dann ist elektronisch bedingt Ende) und die Fahrt bleibt dennoch ruhig und kontrolliert.

An den 2 Tagen Smartfahren sind mir 2 Dinge aufgefallen die nicht gepasst haben. Erstens könnten ruhig mehr Ablagen da sein und zweitens ist das Dach bei 150 nicht mehr ganz zugegangen. Andererseits. Welcher Volldepp macht auch bei 150 das Fetzendachl zu...

Der Smart war mit Abstand das Highlight des 2010er Jahres bisher. So Grinsen musste ich bisher bei nix anderem und da waren immerhin BMWs und ein SLK dabei. Am Rückweg bin ich extra noch eine Stadtrunde gefahren damit ich ihn nicht mehr hergeben muss und am Flughafen hab ich ebenfalls eine Ehrenrunde eingelegt weil ich wissen wollt wie schnell man damit durch den Kreisverkehr kommt. Der Blick des auf der äußeren Spur angreifenden Golffahrers hat verraten: Sehr schnell.
Gefressen hat der kleine Mercedes 7,5 Liter. Klingt viel, ist es aber nicht wenn man bedenkt, dass ich über 150 Kilometer kaum einmal vom Gas gegangen bin, weil Vollgas einfach viel zu viel Spaß gemacht hat.

Würd ich ihn kaufen. JaJaJa, bitte in Rot und gleich zum mitnehmen. Jetzt mal im Ernst: 14.000 Eier sind viel Geld für so wenig Auto. Aber so wenig Auto das ist, soviel Spaß macht das auch. Also wer was lustiges für die Stadt sucht: eventuell die etwas stärkere Version oder gleich den Brabus wählen und Bedenkenfrei zuschlagen!


*lässt sich auch auf Vollautomatik umschalten ist dann aber nicht mehr ganz so knackig zu fahren

Mittwoch, 9. Juni 2010

Yippihe und Yippiho, wir fahren heut im Campingklo

Mein Entsetzen war sichtbar. Zumindest für Susi, die dabei war als ich das Objekt des Missfallens entgegen nehmen "durfte".

"Wir hätten da für Sie einen Lancia Musa." "Super!!! Ich nehm was anderes" "Wir haben nix anderes." "Goa nix? Net amal den Opel den ma reserviert haben? I man i mag kane Opel, aber besser als DAS!" Die Dame von der Autovermietung blieb eisern. "Wieviel PS hatn das überhaupt? Wie meinens des 78. Des geht ja gar nix weiter auf der Autobahn" "A geh, mit 50 PS geht net besonders was weiter aber der geht scho" ...jaja geht scho... leck...egal.

Lancia Musa also heißt mein Begleiter für die nächsten 500 bis 600 Kilometer. Susi war der Meinung wir sollten den Kobel gar nicht erst annehmen, weil er wahrscheinlich nicht der gebuchten Klasse entsprach. Ich war von meinem Arbeitstag fertig und wollte nicht mehr diskutieren. Kofferaum auf, Abdeckung entgegengeflogen. Na gut, da war wohl einer nicht besonders einfühlsam umgegangen mit der zarten Italienerin.

Die Italiener haben ja zumeist folgende Philosophie. Suchen wir uns den besten Designer den wir finden können, und mit dem restlichen Geld kaufen wir uns die verblödetsten Ingenieure zusammen die für die Kohle arbeiten kommen. Der Lancia Musa bildet hier keine Ausnahme. Gut, Aussehen ist jetzt immer Geschmackssache aber für mich persönlich haben die Italiener hier optisch alles rausgeholt was aus der grundsätzlichen Formvorgabe herauszuholen war. "E, Luigi, nimmst du als Vorbild Form von die Porta Potti* und maggst daraus kompakte Minivan". Und Luigi tat wie ihm geheißen und zauberte einen außen wie innen recht ansprechenden Kübel mit der Außenform einer tragbaren Campingtoilette, aber einer dennoch einwandfreien Qualitätsanmutung.

Aber wie fährt er sich jetzt. Gut, eigentlich ist es unfair, das Auto welches eigentlich für den Stadtverkehr gebaut wurde nach so vielen Autobahnkilometern zu beurteilen. Allerdings was intressiert mich Fairness. Der erste Punkt der auffällt: Die Lenkung bietet keinerlei Gegenwehr. Du rollst ganz sanft am Rädchen herum und es scheint wirklich was zu lenken. Als ich den Cityknopf erblicke denk ich mir noch, aaaaa, der Stadtmodus ist aktiviert, deswegen. Nein. Der Stadtmodus war nicht aktiviert. Ist dieser auch noch aktiviert tendiert der Widerstand gegen Null. Klingt himmlisch oder? Ist es aber nicht. Die völlig indirekte Lenkung hat zur Folge, dass der Fahrer dem Auto unverbindliche Richtungsempfehlungen mit auf den Weg gibt, die dann mehr oder meist weniger präzise umgesetzt werden. Besonders spannend auf der Autobahn bei etwas Seitenwind. Kombiniert mit der hohen Karosserie brauchst du mit dem Musa bei windigen Verhältnissen oft die ganze Fahrspur, weil der Kobel einfach nicht exakt zu lenken ist. Auch eine Art Spannung ins Fahren zu bringen.

Weiter im Test. Für 78 PS geht das Ding jetzt gar nicht mal so schlecht. Also nicht schlechter als man von einem 1400er erwarten würde. Die Bremsen sind auch nicht so übel, könnten aber wie in meinem Yaris perfekt vorgeführt ein bisserl schärfer zubeißen.

Aber gleich beim 2. Mal anfahren hab ich mir gedacht mein Schwein pfeift. Haben die unterbezahlten Ingenieure doch echt die Getriebeabstimmung zwischen erstem und zweitem Gang komplett versemmelt. Und mit Komplett mein ich Komplett. Beim Schalten aus der Ersten schmeißt dich der zu lang abgestimmte 2. Gang direkt in den Drehzahlkeller, worauf sich die kesse Italienerin gleich mal ein Beschleunigungspäuschen gönnt. Denk ich mir, na gut, dann drehen wir den Kobel mal in der ersten hoch und schalten dann erst spät in die 2. *Krrääääääächzraffel*. Ah, hier also der Beweis, dass der Konstrukteur des Getriebes seinen Beruf komplett verfehlt hat. Drehst du den Musa hoch setzt es einen sauberen Fehler in der Getriebesynchronisation. Hab ich auch das letzte Mal bei einem 20 Jahre alten LKW erlebt.

Ich werde and er Stelle denk ich einfach zum Ende kommen. Mit der alles entscheidenden Frage: Würde ich das Auto kaufen? Nicht mal irrtümlich. Der Lancia mag für den reinen Stadtverkehr eventuell ein nettes Auto sein, aber durch die Mängel im Getriebe würd ich mich bei jedem Schaltvorgang grün und blau ärgern. In der nackten Basisversion kostet der Haufen 16.000 Eier. In der von mir gefahrenen knapp 20.000. Gut da mag noch Rabatt drinnen sein, aber für das Geld bekomm ich schon ein Auto!

*http://www.portapotti.com.au/